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Specialty Kakao: Was der Begriff bedeutet und warum er den Kaffeeersatz erst möglich macht
Wer Kaffee gegen Kakao tauscht, kommt schnell auf den Begriff Specialty. Er stammt aus der Kaffeewelt und wird inzwischen auch für Kakao benutzt. Nur bedeutet er dort etwas anderes, und das ist wichtig zu wissen, bevor man Geld für eine Packung ausgibt.
Was Specialty beim Kaffee bedeutet
Beim Kaffee ist der Begriff erstaunlich konkret. Die Specialty Coffee Association bewertet Kaffee auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten. Ab 80 Punkten gilt ein Kaffee als Specialty. Dazu kommt die Rückverfolgbarkeit: Farm, Anbauhöhe, Aufbereitung und Röstdatum sind bekannt und werden auch kommuniziert. Zwei Dinge machen den Begriff also aus, eine unabhängige sensorische Bewertung und eine offengelegte Herkunft.
Das Gegenstück beim Kakao heißt Fine Flavour
Im Kakao gibt es kein solches Punktesystem. Der Markt unterscheidet stattdessen zwischen Fine Flavour Kakao und Bulk-Kakao, also Massenware. Die International Cocoa Organization definiert Fine Flavour im Internationalen Kakaoabkommen als Kakao mit einem komplexen sensorischen Profil, das aus dem Zusammenspiel von fünf Faktoren entsteht: der genetischen Zusammensetzung, den Wachstumsbedingungen des Terroirs, der Bewirtschaftung der Anbaufläche, der Ernte und Nachernte sowie einer stabilen Zusammensetzung und unversehrten Bohne.
Fine Flavour ist ein kleiner Teil des Weltmarkts. Die ICCO schätzt den Anteil an den weltweiten Kakaobohnen-Exporten auf etwa 12 %. Rund 90 % davon kommen aus Lateinamerika.
Wichtig, und die ICCO sagt das selbst sehr offen: Es gibt kein einziges allgemein akzeptiertes Kriterium, mit dem sich Fine Flavour objektiv feststellen ließe. Beurteilt wird über eine Kombination aus Genetik, Pflanzenmerkmalen, Geschmack, chemischen Werten, Fermentationsgrad, Trocknung, Säure, Fehlaromen und Verunreinigungen. Ein Teil davon bleibt subjektiv. Wer also ein Siegel für Specialty Kakao erwartet, wird keines finden. Es gibt keins.
Warum Peru dabei immer wieder auftaucht
Was es gibt, ist die Länderliste im Anhang C des Kakaoabkommens. Dort steht, welcher Anteil der Kakaoexporte eines Landes als Fine Flavour gilt. Nach der Entscheidung des Internationalen Kakaorats vom April 2024 steht Peru dort mit 75 %. Ecuador, die Dominikanische Republik und Peru sind laut ICCO zugleich die drei größten Fine-Flavour-Exporteure nach Menge.
Das passt zu dem, was die Genetik zeigt. Von den zehn genetischen Kakaogruppen, die 2008 in einer Studie beschrieben wurden, kommen fünf in Peru vor. Im Juli 2026 kamen vier weitere peruanische Linien dazu, darunter Awajún aus der Region Amazonas und Porcelana aus Piura. Mehr dazu steht auf unserer Seite Kakao Wissen.
Wo Kaburoh steht, ehrlich aufgeschlüsselt
Wir könnten jetzt einfach Specialty auf die Packung schreiben. Stattdessen legen wir offen, was wir belegen können und was nicht.
Belegbar ist: Unser Kakao ist ein Reinprodukt aus 100 % Bio-Kakaomasse, eine einzige Zutat, ohne Zucker, Milchpulver oder Aromen. Er kommt aus Peru, von der Cooperativa Agraria Norandino, und wir führen zwei Sorten getrennt statt sie zu mischen. Piura Blanco stammt aus dem Norden, Amazonia aus der Region Amazonas, aus den Provinzen Bagua und Utcubamba. Angebaut wird im Agroforstsystem statt in Monokultur, fermentiert wird zentral, getrocknet an der Sonne, danach folgt eine schonende Röstung. Alles nachzulesen auf Herkunft Peru.
Nicht belegbar ist: Wir haben keinen Cupping-Score für unsere Charge, keine eigene Laboranalyse und keine genetische Untersuchung unserer Bohnen. Wir behaupten deshalb nicht, dass unser Kakao einer bestimmten genetischen Linie entspricht oder eine bestimmte Punktzahl erreichen würde. Was wir sagen können, ist, dass unser Kakao die Kriterien erfüllt, die die ICCO-Definition beschreibt: benannte Sorte, benanntes Terroir, kontrollierte Fermentation und Nachernte, unversehrte Bohne.
Was das für den Kaffeeersatz bedeutet
Hier wird der Qualitätsbegriff praktisch. Kakao, der als Kaffeeersatz taugen soll, muss pur trinkbar sein. Massenkakao ist das oft nicht. Er schmeckt flach oder streng und wird deshalb gesüßt, gemilcht und aromatisiert, bis vom Kakao wenig übrig bleibt. Genau das will man morgens aber nicht: Man will eine Tasse, die für sich steht.
Ein Kakao mit klarem Sortenprofil bringt diese Eigenständigkeit mit. Piura Blanco geht ins Fruchtige mit Noten von roten Beeren und Pekannuss, Amazonia ist tiefer und erdiger. Das ist der eigentliche Grund, warum Herkunft und Verarbeitung beim Umstieg von Kaffee wichtiger sind als jedes Marketingwort.
Ehrlich bleibt dabei zweierlei. Erstens ist Kakao kein Eins-zu-eins-Tausch: Er enthält vor allem Theobromin und daneben eine kleine Menge Koffein, ist also nicht koffeinfrei, und die Wirkung fühlt sich für die meisten Menschen anders an als der Koffeinschub am Morgen. Zweitens braucht er ein paar Minuten mehr, weil 20 bis 25 g aufgeschlagen werden wollen. Wie sich der Umstieg konkret anfühlt, haben wir im ehrlichen Vergleich Kakao statt Kaffee beschrieben. Und worauf du beim Kauf sonst noch achten kannst, steht im Kaufratgeber.
Quellen
- International Cocoa Organization: Fine Flavour Cocoa, inklusive der Definition aus Artikel 2.2 des Internationalen Kakaoabkommens 2010 und Anhang C in der Fassung vom April 2024.
- Motamayor et al. (2008): Geographic and Genetic Population Differentiation of the Amazonian Chocolate Tree, PLOS ONE.
- Motilal et al. (2026): Genetic structure of traditional cacao reveals four new genetic lineages in indigenous Amazonian sites in Peru, PLOS ONE.
- Specialty Coffee Association: Bewertungsskala von 0 bis 100 Punkten, Specialty ab 80 Punkten.

