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Kakao, Geist und Gefühl: Was die Forschung zu Flavanolen misst
Wenn wir über Kakao sprechen, geht es uns nicht nur um Genuss und Tradition. Viele Menschen beschreiben, dass eine Tasse Kakao sich anders anfühlt als ein Kaffee, ruhiger, wärmer, klarer. Seit einigen Jahren untersucht die Forschung, was dabei messbar passiert. Dieser Beitrag fasst zusammen, was in diesen Studien tatsächlich gemessen wurde, und wo die Grenze zwischen Forschungsergebnis und Werbeversprechen verläuft.
Vorweg, damit klar ist, was wir hier tun
In der EU dürfen Lebensmittelanbieter nur solche gesundheitsbezogenen Aussagen verwenden, die ausdrücklich zugelassen sind. Für Kakao-Flavanole ist genau eine Angabe zugelassen: Sie tragen dazu bei, die Elastizität der Blutgefäße zu erhalten, was zu einem normalen Blutfluss beiträgt. Die Angabe gilt ab 200 mg Kakao-Flavanolen am Tag.
Alles, was du im Folgenden zu Aufmerksamkeit, Gedächtnis oder Stimmung liest, sind Hinweise aus Studien, keine Aussage über unser Produkt. Wir behaupten diese Effekte für unseren Kakao ausdrücklich nicht, schon deshalb, weil wir seinen Flavanolgehalt nicht analytisch bestimmen lassen. Mehr dazu weiter unten.
Was die Studien gemessen haben
Kakao enthält bioaktive Pflanzenstoffe, allen voran Flavanole. Sie sind in den vergangenen zwanzig Jahren mehrfach in kontrollierten Versuchen untersucht worden, meist mit standardisierten Kakaogetränken mit definiertem Flavanolgehalt, nicht mit einer Tasse zeremoniellem Kakao.
Sauerstoffversorgung im Gehirn
Es gibt Hinweise darauf, dass Kakao-Flavanole die Sauerstoffversorgung im Gehirn beeinflussen. Gratton und Kolleginnen und Kollegen gaben 2020 in Scientific Reports gesunden jungen Erwachsenen ein Getränk mit rund 680 mg Kakao-Flavanolen. Die Sauerstoffantwort im Stirnhirn fiel danach stärker und schneller aus als nach dem flavanolarmen Kontrollgetränk. Bei den kognitiven Aufgaben zeigte sich ein Unterschied allerdings nur bei der schwierigsten, nicht bei den einfacheren.
Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Gedächtnis
Es gibt Hinweise darauf, dass sich diese Bereiche dosisabhängig verändern. Socci und Kolleginnen und Kollegen werteten 2017 in Frontiers in Nutrition die vorhandenen Humanstudien aus und beschreiben dosisabhängige Verbesserungen bei allgemeiner Kognition, Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Arbeitsgedächtnis. Die Autorinnen und Autoren ordnen den Forschungsstand selbst ausdrücklich als vorläufig ein.
Mentale Ermüdung
Es gibt Hinweise darauf, dass Kakao-Flavanole mentale Ermüdung unter Belastung abmildern. Scholey und Kolleginnen und Kollegen ließen 2010 (Journal of Psychopharmacology) 30 gesunde Erwachsene über eine Stunde fortlaufend Kopfrechen- und Aufmerksamkeitsaufgaben lösen, in drei Durchgängen mit 520 mg Flavanolen, 994 mg Flavanolen und einem Kontrollgetränk. In der hohen Dosis waren Reaktionszeiten und Trefferquote besser, und die Teilnehmenden gaben weniger mentale Ermüdung an.
Langfristiger Erhalt kognitiver Fähigkeiten
Hier ist die Lage am dünnsten. Nehlig fasste 2013 im British Journal of Clinical Pharmacology die tierexperimentellen und klinischen Arbeiten zu möglichen neuroprotektiven Effekten zusammen. Es sind Hinweise, keine Nachweise: Die Studien am Menschen sind klein, kurz und uneinheitlich.
Was daraus nicht folgt
Aus Hinweisen werden keine Versprechen. Die Gruppen in diesen Studien waren klein, die Zeiträume kurz, die Getränke standardisiert und die Dosierungen hoch, teils über dem Vierfachen der Menge, ab der die EU-Angabe zur Gefäßelastizität gilt. Ob eine Tasse Kakao am Morgen dasselbe bewirkt, ist damit nicht gezeigt. Genau deshalb ist in der EU auch nur die eine Angabe zur Gefäßelastizität zugelassen und keine zu Gehirn oder Stimmung.
Theobromin, der Unterschied zum Kaffee
Neben den Flavanolen enthält Kakao Theobromin, das Hauptalkaloid der Bohne, und daneben etwas Koffein. Theobromin ist mit Koffein verwandt, wird aber langsamer verstoffwechselt. Viele Menschen beschreiben den Unterschied als wach, aber ruhig. Das ist eine Beschreibung des Erlebens, keine gemessene Wirkung, und sie fällt bei verschiedenen Menschen unterschiedlich aus.
Was das für unseren Kakao bedeutet
Unser Kakao besteht aus 100 % Bio-Kakaomasse, also der ganzen gemahlenen Bohne, ohne Zusätze, und er ist nicht alkalisiert. Das ist an dieser Stelle relevant, weil Alkalisierung den Flavanolgehalt deutlich senkt. Was wir daraus nicht ableiten, ist eine Zahl für unseren eigenen Kakao. Der Gehalt schwankt mit Sorte, Herkunft, Fermentation und Röstung, und ohne eigene Laboranalyse wäre jede Angabe geraten.
Kakao bleibt ein Lebensmittel. Kein Medikament, kein Therapieersatz, keine Optimierungsstrategie. Er ist ein guter Anlass, sich zwanzig Minuten Zeit zu nehmen, und das genügt.
Hinweis
Dieser Beitrag ordnet öffentlich zugängliche Studien ein. Er ersetzt keine medizinische oder therapeutische Beratung und stellt kein Heilversprechen dar.
Quellen
- Gratton G. et al.: Dietary flavanols improve cerebral cortical oxygenation and cognition in healthy adults. Scientific Reports 10, 19409 (2020). nature.com
- Socci V. et al.: Enhancing Human Cognition with Cocoa Flavonoids. Frontiers in Nutrition 4:19 (2017). PMC5432604
- Scholey A.B. et al.: Consumption of cocoa flavanols results in acute improvements in mood and cognitive performance during sustained mental effort. Journal of Psychopharmacology 24(10):1505-1514 (2010). sagepub.com
- Nehlig A.: The neuroprotective effects of cocoa flavanol and its influence on cognitive performance. British Journal of Clinical Pharmacology 75(3):716-727 (2013). PMC3575938
- Verordnung (EU) Nr. 851/2013 zur Zulassung der gesundheitsbezogenen Angabe zu Kakao-Flavanolen. eur-lex.europa.eu

